Was heißt „richtig bauen“ in Allmannsdorf? / Margarete Zimmermann

Was heißt „richtig bauen“ in Allmannsdorf?
– Soziale Struktur

Ausgangspunkt für entsprechende Überlegungen muss eine gewachsene Siedlungsstruktur sein. Allmannsdorf war schon immer ein Siedlungsraum mit gemischter Struktur. Früher Bauern, Fischer, Handwerker. Später ( in den 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts) kamen Angestellte und Beamte mit mehr oder weniger großen Familien dazu. Sie wohnten meist in kleinen Häusern mit großen Gemüsegärten zur Selbstversorgung, siehe Staader Berg.

Wie in der Gesamtstadt stieg auch hier der Wohnungsbedarf. Das heißt, es wird gebaut und das in immer höheren Preissegmenten. Die Nähe zum See, der Blick auf die Berge ist verlockend. So finden Familien mit durchschnittlichem Einkommen immer weniger die Möglichkeit eine Wohnung zu mieten oder zu kaufen. Die Grundstückspreise klettern höher und die Wohnungen, die darauf gebaut werden , werden immer kleiner. Kleinfamilien, Einpersonenhaushalte oder Senioren, die ihren Alterssitz hier finden, können sich dies noch leisten. Dadurch ist der Anteil an alten Menschen in Allmannsdorf höher als in anderen Stadtteilen.

Dieser Zustand ist bedauerlich, denn die allgemeine Lebensqualität hier wäre gerade für Familien mit Kindern ideal: zwei Kindergärten, eine Grundschule,Kirchen, ein großes Angebot an Läden des täglichen Bedarfs, Freizeit- und Sportgelände und eine gute Verkehrsanbindung. Trotzdem müssen Familien schon wegziehen.

Wo vorher ein kleines Häuschen stand steht jetzt ein 4-stöckiges Haus. Kosten einer Wohnung 850 000 € ( in Allmannsdorf ! ), es geht auch noch höher. Solche Wohnungen werden aber nicht gebaut um die Wohnraumnot zu beheben, wie es immer wieder vordergründig heißt, sondern zuallererst zur Kapitalvermehrung. Jeder möchte soviel wie möglich Profit herausholen, Familien hin-oder her. So ist es üblich in unserem Wirtschaftssystem. Sind wir diesem hilflos ausgeliefert? Wie könnte dieser Trend gestoppt werden? Da gibt es zwei Möglichkeiten, die aber nur vom Gesetzgeber ( Land, Stadt ) festgelegt werden können: entweder kann ein Rahmenplan helfen, der die umbaute Fläche und Höhe vorschreibt . Damit werden dem Bauherr Grenzen gesetzt . Ob diese aber die Wohnungen günstiger machen oder größer ist fraglich. Für solch einen Plan hat die BAS lange gekämft und es gibt ihn bereits in einem Teilbereich vom Staader Berg. Die zweite Möglichkeit wäre, wie in München schon getestet, dass Investoren verpflichtet werden, bei jedem Bauprojekt einen bestimmten Anteil an billigerem Wohnraum zu errichten. Dies wäre auch ein gutes Modell für Allmansdorf.

Um eine ausgeglichenere soziale Struktur zu erreichen, täte dem wohlhabenden Allmannsdorf auch eine Anschlussunterkunft gut. So kämen wieder neue Familien hierher, die das Dorf beleben könnten. Wir haben einen OB und einen Gemeinderat von Volkes Gnaden, sie könnten solches in die Wege leiten. Doch wo bleibt ihr Wille und ihr Engagement?

Margarete Zimmermann

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