Hohenegg: Ursache des Hangrutsches weiter unklar / M. Pohl / Südkurier

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Konstanz – Bereits am vergangenen Samstag wurden Risse im Boden entdeckt. Geologen waren schon vor dem Erdrutsch vor Ort. Hoheneggstraße bleibt für mehrere Wochen gesperrt.

Am Tag nach dem großen Hangrutsch am Hohenegg stehen die Experten vor Rätseln. Sie fragen sich, warum die Erdmassen in Bewegung gekommen sind und sogar einen Schopf unter sich zermalmt hat. Mit einem Ergebnis der Ursachenanalyse ist laut Martin Wichmann vom Amt für Stadtplanung und Umwelt frühestens in der kommenden Woche zu rechnen.

Über viele Stunden hinweg bewegten sich die Erdmassen am Hang bei der Ruppaner-Brauerei am Donnerstag und hielten die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr sowie einen Sachverständigen des Landesamtes für Geologie in Freiburg auf Trab. Einer Pressemitteilung des Landesamts zufolge stehe der starke Regen während der Tage zuvor in Zusammenhang mit dem Ereignis. Warum daraufhin die Massen jedoch in Bewegung gerieten, ist noch das große Rätsel.

Passanten hatten Risse im Boden gemeldet

Bereits am vergangenen Samstag meldeten Passanten der Feuerwehr Risse im Boden am oberen Weg zum Wasserturm in Allmannsdorf. Die Technischen Betriebe der Stadt Konstanz, die Feuerwehr und Geologen waren Anfang der Woche vor Ort und sperrten das Gebiet ab. Der große Erdrutsch auf einer Länge von rund 150 Metern, wie die Feuerwehr errechnete, folgte am Donnerstag. „Es war Bewegung am Hang, dieses Ausmaß war so aber nicht abzuschätzen“, sagte Wichmann. „Wir wollen nun ganz in Ruhe nach den tatsächlichen Gründen suchen“, erklärte er weiter. Wasserschichten und Wasserführungen im Erdreich könnten ein möglicher Grund für den instabilen Boden sein, gibt Wichmann seine erste Einschätzung ab. In diese Richtung mutmaßt auch das Landesamt für Geologie: Es seien im oberen Drittel des Hangs, wo die Abrisskante ist, „Sickerwasseraustritte sichtbar“.

Einen anderen Ansatz hat Alexander Gebauer. Der ehemalige Chef der Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad (BAS) hat sich jahrelang mit dem Gebiet am Hohenegg auseinandergesetzt: „Im oberen Bereich wurden Treppenstufen in den Hang gehauen und Terrassen angelegt. Dafür mussten zahlreiche Bäume abgeholzt werden.“ Dadurch fehle dort das Wurzelwerk der Bäume, das dem Hang die nötige Stabilität gebe. „Überrascht hat mich die Nachricht von diesem Erdrutsch leider nicht“, sagte Gebauer. Es seien sogar Anfang dieser Woche, nachdem Teile bereits abgesperrt waren, noch Arbeiten mit schwerem Gerät dort verrichtet worden, kritisierte Gebauer.

Ob sich die Einschätzung von Alexander Gebauer bewahrheitet, wird erst das Ergebnis des geologischen Gutachtens zeigen. Fakt ist, dass von den Erdmassen derzeit eine Gefahr für Passanten ausgeht und deshalb die Verantwortlichen das Gelände weiterhin weiträumig abgesperrt halten. Die bereits nach der ersten Sperrung beobachtete Unvernunft einiger Fußgänger, die die Hinweisschilder und Sperrzäune Angaben Wichmanns zufolge bewusst ignorierten, erforderte nun eine komplette Sperrung ab dem Restaurant bei der Ruppaner-Brauerei. „Diese wird mindestens zwei bis drei Wochen bestehen bleiben“, betonte Wichmann.

Er macht die Entscheidung, wann das Gelände wieder freigegeben wird, ebenfalls vom Ergebnis des Gutachtens abhängig. Die Sicherungsmaßnahmen seien mit dem Landesamt für Geologie in Freiburg, dem städtischen Forstamt und dem Landratsamt Konstanz abgesprochen. Weitere Maßnahmen entwickelt ein privates Ingenieurbüro.

Über ein mögliches Konzept zur Stabilisierung des Hangs zu spekulieren, ohne die Ursachen zu kennen, hält Wichmann zu diesem Zeitpunkt für irrelevant. Alexander Gebauer stellt allerdings klare Forderungen: „Es braucht ein Pflegekonzept, das der Anlage am Hohenegg gerecht wird.“

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